Gegen die „halbjüdische“ Antizionistin und ihre volldeutschen Fans.

Zur Dokumentation: das Flugblatt, das anlässlich der Einladung Laurie Pennys ins Leipziger UT Connewitz am 18. September 2017 vor Ort verteilt wurde.

Gegen die „halbjüdische“ Antizionistin und ihre volldeutschen Fans.

Werte Besucher des UT Connewitz,
liebe Bewunderer der Laurie Penny,

wenn die »derzeit wichtigste junge Feministin« (Die Zeit) wieder auf Tour in Deutschland ist, dann führt an einem Auftritt in Connewitz natürlich kein Weg vorbei. Denn das Viertel und sein uriges Lichtspieltheater, dem auch Leipzigs Stadtmarketing lobend attestiert, ein »beliebter Treffpunkt für die alternative Szene Leipzigs« zu sein, gilt schließlich als modern und aufgeklärt, d. h. irgendwie links. Ebenso die heutige Referentin: Ähnlich wie die meisten von euch auch, engagiert sich Laurie Penny für unterdrückte Minderheiten, reflektiert gern mal ihre Sprecherposition und findet den Kapitalismus irgendwie blöd. Bei all diesen feinen Tugenden ist es euch dann selbstverständlich scheißegal, dass ihr eure letzten Pennys für eine »rasend kluge« (F.A.S.) Israel-Hasserin ausgebt. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass der Superstar der Feministen-Szene eine bekannte Unterstützerin der antisemitischen Kampagne BDS (Boycott, Divestment and Sanctions against Israel) ist, die mit Stolz verkündet, dass sie keine Avocados mehr vom Juden kauft. So kämpft die berufslinke Autorin seit Jahren an vorderster Front für eine Delegitimierung Israels, dessen Regierung sie im Jargon der islamistischen Raketenbrüder aus Gaza einer »blutrünstigen Mordlust« oder wahlweise einer »mörderischen Intoleranz« bezichtigt, der es nur ums jüdische Blut und die Verfolgung palästinensischer Kinder ginge (New Statesman). Dabei ist sie es doch selbst, die ihr dumpfes Unbehagen am Kapitalismus in Phantasien über »gehäutete Banker« (@PennyRed auf Twitter) auslässt und Gegnern der islamischen Frauenverachtung entgegenhält: »This isn‘t ‚feminism‘. It‘s Islamophobia« (The Guardian).

Dass Laurie Penny antisemitische Positionen vertrete, verneint sie selbstverständlich, denn schließlich sei sie ja, wie sie es in einem »Brief an die deutsche Linke« ausdrückte, selbst eine »Halbjüdin« und somit qua Abstammung über jeden Verdacht erhaben, dem Judenstaat aus falschen Gründen den Untergang zu wünschen. Dass sie damit eine Kategorie der Nürnberger Rassegesetze verwendet, die im Judentum so überhaupt nicht existiert, fällt ihr dabei nicht einmal auf. In ebenso mieser Tradition spielt sie auch auf den sogenannten Schuldkult der Deutschen an und rät ihren Fans und Kritikern, den deutschen Massenmord an den Juden endlich Geschichte sein zu lassen, um den Israelis nun auch mal zu zeigen, wo der Hammer hängt: »Die deutsche Linke hat jedes Recht, ihre aktuelle und vergangene Haltung zum jüdischen Volk/den jüdischen Menschen zu hinterfragen« (A letter to the german left).

Sätze dieser Art, wie sie ebenso von Björn Höcke, Sigmar Gabriel, Inge Höger oder anderen Antisemiten stammen könnten, haben nur einen Zweck, nämlich das antisemitische Ressentiment gegen den Judenstaat hinter einem pluralistischen Schleier der freien und selbstverständlich harmlosen Meinungsäußerung zu tarnen.

Nicht weil das so ist, sondern weil es längst jeder weiß und sie trotzdem ein Podium bekommt, kann der Judenhass auch im UT Connewitz und bei seinen Gästen kein unbekanntes Gefühl sein. Hinzu kommt, dass das Union-Theater in der Vergangenheit schon wiederholt antisemitischen Autoren und Kassenschlagern eine Bühne verschafft hat. Im kommenden Herbst wird mit dem Gitarristen Thurston Moore gleich der nächste BDS-Aktivist im angesagten Szeneschuppen erwartet. Darum ändert auch die Tatsache nichts, dass Penny heute nur ihr neues Buch »Bitch Dokrin. Gender, Macht und Sehnsucht« vorstellt, in dem sie anhand knallharter Analysen erläutert, was sie »von Harry Potter gelernt« hat (Bitch Doktrin), also ausnahmsweise mal nicht Propaganda gegen den Judenstaat verbreitet.

Die Gleichgültigkeit, mit der deutsche Feministen der antisemitischen Hetze einer Laurie Penny begegnen, erfuhr zuletzt im März diesen Jahres einen neuen Höhepunkt. Während einer Veranstaltung in Göttingen zum Anlass des Internationalen Frauentages demonstrierte die in der vulgären Linken ebenso beliebte Rapperin Sookee gemeinsam mit Laurie Penny, Mithu M. Sanyal und Sonja Eismann Geschlossenheit während sie sich unter Beifall als die „feminist four“ der Szene feiern ließen. Kritische Töne oder gar Protest gab es nicht.

Das aus Konsensbedürftigkeit und klammheimlicher Sympathie getragene Stillschweigen der Fans von Laurie Penny über ihren notorischen Israel-Hass, ließ sich auch nicht dadurch erschüttern, dass sich dieselbe im Januar diesen Jahres am sogenannten »Women‘s March« in Washington D.C. beteiligte, den Linda Sarsour, ebenso eine BDS-Aktivistin, initiierte, die keinen Hehl aus ihrem fanatischen Hass auf den Judenstaat macht.

Dass es feministischen Combos, wie den »feminist four« mitnichten um die Emanzipation von Frauen geht, offenbart nicht zuletzt ihr Wegducken vor dem islamischen Patriarchat. Und auch an dieser Stelle zeigt sich, dass sich findet, was zusammengehört. So ist es beinahe als ein Kunststück zu verstehen, dass bei dem diesjährigen feministischen Kampftag in Leipzig unter den unzähligen Demonstrationsaufrufen nicht ein einziger zu finden war, der sich mit der Unterdrückung von Frauen in islamischen Ländern und Communities oder mit den hiesigen Auswirkungen ihrer reaktionären Ideologie auseinandersetzt.

So bleibt euch, lieben Besucherinnen und Besuchern, nur zu gratulieren: Ihr habt euch heute Abend für die richtige Veranstaltung entschieden. Ihr und das UT Connewitz habt bekommen, worauf ihr gewartet habt:
Eine Antizionistin von Weltrang.

Viel Spaß wünscht:
die Antideutsche Aktion

September 2017

Radikale Indifferenz

Eine Einladung zur Aufmischung der Leipziger linken Szene
Vortrag mit Justus Wertmüller

Am 10. Mai 2017 um 20 Uhr im Felsenkeller Leipzig (Karl-Heine-Str. 32, 04229 Leipzig)

Derzeit finden selbsterklärte Diskurskorrektoren in Leipzig ein über viele langweilige Stunden geduldig lauschendes Publikum, wenn es darum geht, das alte antisemitische Narrativ vom perspektivlosen, zum Terror verdammten palästinensischen Attentäter aufzuwärmen oder die Kritik am Islam als unweigerlich rassistische Mobilmachung abzustrafen. Die entsprechende gleichgültige Ahnungslosigkeit der Leipziger Nachwuchslinken präsentierte exemplarisch ein Podium, zu dem der Antifaschistische Frauenblock Leipzig den faden Rest der organisierten Antifa unter dem markigen Titel „Sag mir, wo du stehst“ einlud: Man steht weiterhin links und bestärkt sich im Kampf gegen einen fälschlich als Rassismus subsumierten Antisemitismus, um nebenbei das einstige gut begründete Verbot jeder Israelkritik langsam wieder aufzuweichen.
Die Sprachlosigkeit, mit der dieser Regression begegnet wird, scheint symptomatisch für einen political turn zu sein, der bisher kaum Wellen schlägt und einer Linken das Feld überlässt, die so gerne vergisst, dass die Zeiten Trumps zugleich die Zeiten Khameneis und diverser islamistischer Cliquen und Massenbewegungen sind; einer Linken, die sich lieber an der vermeintlichen Faschisierung der Vereinigten Staaten von Amerika abarbeitet und zum Frauenkampftag für ihre nicht anwesenden islamischen Geschlechtsgenossinnen gegen Rassismus, Faschismus und Trump im Zeichen von Empowerment auch unter dem Hijab marschiert wie weiland das linke New York unter Führung einer islamistischen Scharia-Apologetin und weiterer Antizionistinnen.

Justus Wertmüller wird über diese sogenannten radikalen Linken sprechen, die sich nun interessiert oder ratlos jedes Gewäsch anhören, das mutig eine Lanze für den palästinensischen Volkssturm, gegen die Vereinigten Staaten oder eine unvoreingenommene Auseinandersetzung mit der friedlichsten Religion der Welt bricht. Was sind das für Leute, die sich in den Altbauquartieren großer Städte kreativ einnisten und zwischen Uniseminaren links, diskursoffen und undogmatisch Strategien zur Verhöhnung muslimischer Frauen erarbeiten? Und was haben die im Café auf ihren Apple-Maschinen herumhackenden Gestalten einer sich selbst ständig neu erfindenden Projektszene mit einer grenzenlosen Ökonomie angeblich jenseits der Arbeit zu tun, in der auch linke Jungakademiker die neueste Start-Up-Technik zur noch effektiveren Ausbeutung der Armen und Abgehängten entwickeln, und die abends im jeweiligen Conne Island ihren Beitrag zur widerspruchslosen Hinnahme der nächsten Zumutungen von Team Merkel leisten?

Justus Wertmüller ist Redakteur der Zeitschrift Bahamas und lebt in Berlin.

Antideutsche Abweichler

Lange galt Leipzig als Hochburg von Antideutschen, dass selbst ein Mohamed Amjahid in seinem bezeichnenden Artikel für das ZEIT Magazin erkannt zu haben meint: „Der Leipziger Stadtteil Connewitz [ist] im Grunde die Hauptstadt von Antideutschland.“ [1]

Was sich vor sieben Jahren mit der Verbannung Justus Wertmüllers aus dem Conne Island unter dem Verweis auf seinen vermeintlichen Sexismus und Rassismus bereits ankündigte, scheint sich mittlerweile jedoch weitgehend vollzogen zu haben: Die vollkommene Marginalisierung antideutscher Kritik, die dabei teils selbst nicht über eine eingeschliffene Identifikation with all things US-American and Israeli hinausging und deren Vertreter das Argument hinter der scharfen Wendung gegen jeden Antizionismus und Antiamerikanismus nicht mehr nachvollziehen konnten. [2] Wer damals also schon nichts von Ideologiekritik wissen wollte, wendet sich nun umso bereitwilliger der nächsten distinktiven Politposition zu, entledigt sich nebenbei alter Selbstverständlichkeiten, reduziert seinen Begriff von Antifaschismus auf den kleinstmöglichen Nenner, um die eigene Bündnisfähigkeit nicht zu untergraben, und übt sich in den Aufgaben staatlicher Elendsverwaltung ebenso wie im konstruktiven Verständnis für die Denkfehler des Antirassismus, Queerfeminismus und all den anderen Angeboten der Bewegungslinken.

Mittlerweile wissen selbst linksradikale Grüppchen wie die Antifa Klein-Paris um den schweigenden Rückhalt des Lokalkonsenses, wenn es darum geht, die nun ungeliebte antideutsche Minoritärposition abzukanzeln. Stellvertretend für andere erklärt sie ihr Programm als solches, „feinfühliger, was heißt: differenzierter, sich den Konflikten zuzuwenden, als es Teile antideutscher Kritik tun“, was heißt: etwa vermittels der eigenen differenzierten Kategorien zu erkennen, dass man „es im Fall Trump tatsächlich mit einer besonders schrecklichen Person zu tun“ habe. [3] Gleichzeitig öffnet man in Leipzig etwa der Israelkritik neue Hintertüren, indem man einen Hannes Bode im Conne Island darüber referieren lässt, wie grau die Realität in Bezug auf Israel letztendlich doch sei, und stört sich entsprechend nicht mehr an der Einladung eines prominenten Antisemiten [4] durch eine staatlich geförderte Institution vor der eigenen Haustür, während eine Gruppe wie Prisma ein Lippenbekenntnis zur Israelsolidarität in derselben Manier sophistischer Ausgewogenheit ohnehin nur herausbekommt, wenn sie im selben Satz die Buzzwords der „Besatzungs- und Siedlungspolitik“ fallen lassen darf. [5]

Angesichts solcher Zustände ist es an der Zeit, ihren Akteuren einen Spiegel vorzuhalten und den gegenwärtigen Konsens nicht länger unwidersprochen hinzunehmen. Das bedeutet nicht nur, Antifaschismus auch über die Denunziation ostdeutscher Nazis hinaus denken zu können, sondern derzeit vor allem, eine wahrnehmbare Kritik an der Regression der Linken in dieser Stadt zu formulieren, welche sich abseits der eigenen antirassistischen Nabelschau nicht für viel mehr zu interessieren scheint.

Antideutsche Aktion Leipzig im April 2017.

_________________________________

[1] ZEIT Magazin #12 (2017), http://www.zeit.de/zeit-magazin/2017/12/antideutsche-israel-linke-deutschland/seite-4.

[2] Wir halten es mit Paulette Gensler, nach der sich solche Jungantideutschen „schlicht als spezialisierte Antiimps [outen], die nicht an Marx, Freud, Adorno et al. gereift, sondern mit Slime in ihrer pubertären Krise hängen geblieben sind. Am deutlichsten zutage tritt dass Ressentimentbehaftete der Jungantideutschen in ihrer notwendigen Bahamas-Feindschaft. Der Name der Zeitschrift taucht ja fast nur noch in Umschreibungen auf, die an ein primitives Tabu erinnert. ‚Sie, deren Name nicht genannt werden darf‘, die meist aber auch nie gelesen wurde, dient den jungen Antideutschen als Bauernopfer, um ihre eigene Isolation zu überwinden sowie als Sündenbock der eigenen Erfahrungslosigkeit und des omnipräsenten Schwachsinns.“, in der Jungle World #28 (2015), http://jungle-world.com/artikel/2015/28/52288.html.

[3] „Wo wir stehen, wo wir kämpfen“, Februar 2017, https://antifakleinparis.noblogs.org/archiv/2017-2/wo-wir-stehen-wo-wir-kaempfen.

[4] Israelhass ist keine Diskussionsgrundlage. Kein Forum für Finkelstein!, Januar 2017, http://nokrauts.org/2017/01/protest-finkelstein-mpi/.

[5] In der Phase 2 #50 (2015), http://prisma.blogsport.de/2015/04/28/gesellschaftstheorie-statt-reality-tv-phase-2/.