Radikale Indifferenz

Eine Einladung zur Aufmischung der Leipziger linken Szene
Vortrag mit Justus Wertmüller

Am 10. Mai 2017 um 20 Uhr im Felsenkeller Leipzig (Karl-Heine-Str. 32, 04229 Leipzig)

Derzeit finden selbsterklärte Diskurskorrektoren in Leipzig ein über viele langweilige Stunden geduldig lauschendes Publikum, wenn es darum geht, das alte antisemitische Narrativ vom perspektivlosen, zum Terror verdammten palästinensischen Attentäter aufzuwärmen oder die Kritik am Islam als unweigerlich rassistische Mobilmachung abzustrafen. Die entsprechende gleichgültige Ahnungslosigkeit der Leipziger Nachwuchslinken präsentierte exemplarisch ein Podium, zu dem der Antifaschistische Frauenblock Leipzig den faden Rest der organisierten Antifa unter dem markigen Titel „Sag mir, wo du stehst“ einlud: Man steht weiterhin links und bestärkt sich im Kampf gegen einen fälschlich als Rassismus subsumierten Antisemitismus, um nebenbei das einstige gut begründete Verbot jeder Israelkritik langsam wieder aufzuweichen.
Die Sprachlosigkeit, mit der dieser Regression begegnet wird, scheint symptomatisch für einen political turn zu sein, der bisher kaum Wellen schlägt und einer Linken das Feld überlässt, die so gerne vergisst, dass die Zeiten Trumps zugleich die Zeiten Khameneis und diverser islamistischer Cliquen und Massenbewegungen sind; einer Linken, die sich lieber an der vermeintlichen Faschisierung der Vereinigten Staaten von Amerika abarbeitet und zum Frauenkampftag für ihre nicht anwesenden islamischen Geschlechtsgenossinnen gegen Rassismus, Faschismus und Trump im Zeichen von Empowerment auch unter dem Hijab marschiert wie weiland das linke New York unter Führung einer islamistischen Scharia-Apologetin und weiterer Antizionistinnen.

Justus Wertmüller wird über diese sogenannten radikalen Linken sprechen, die sich nun interessiert oder ratlos jedes Gewäsch anhören, das mutig eine Lanze für den palästinensischen Volkssturm, gegen die Vereinigten Staaten oder eine unvoreingenommene Auseinandersetzung mit der friedlichsten Religion der Welt bricht. Was sind das für Leute, die sich in den Altbauquartieren großer Städte kreativ einnisten und zwischen Uniseminaren links, diskursoffen und undogmatisch Strategien zur Verhöhnung muslimischer Frauen erarbeiten? Und was haben die im Café auf ihren Apple-Maschinen herumhackenden Gestalten einer sich selbst ständig neu erfindenden Projektszene mit einer grenzenlosen Ökonomie angeblich jenseits der Arbeit zu tun, in der auch linke Jungakademiker die neueste Start-Up-Technik zur noch effektiveren Ausbeutung der Armen und Abgehängten entwickeln, und die abends im jeweiligen Conne Island ihren Beitrag zur widerspruchslosen Hinnahme der nächsten Zumutungen von Team Merkel leisten?

Justus Wertmüller ist Redakteur der Zeitschrift Bahamas und lebt in Berlin.


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